Neue Highlights
Noch mehr archäologische FundeZehn Jahre nach ihrer umfassenden Neugestaltung präsentiert sich die archäologische Dauerausstellung im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya eindrucksvoller denn je. Außergewöhnliche neue Fundstücke, etwa ein Bronzedolch „südrussischer Form“ oder ein römischer Legionärshelm, erzählen von weitreichenden Kontakten vor 5000 Jahren und stark modifizierter Kampfausrüstung. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bereichern die Schausammlung, die zu den bedeutendsten archäologischen Präsentationen Österreichs zählt.
Seit einem Jahrzehnt begeistert die modern und interaktiv gestaltete Dauerausstellung im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya mit ihrer einzigartigen Verbindung aus Wissenschaft, Originalfunden und Hands-on-Erlebnissen zur Ur- und Frühgeschichte Niederösterreichs. Nun wurde sie im 1. und 2. Stock gezielt erweitert und zeitgemäß inszeniert. Bedeutende Neufunde und aktuelle Forschungsergebnisse eröffnen neue Perspektiven auf die Vergangenheit Niederösterreichs.
Spektakuläre Neufunde
In die Kupferzeit lässt sich ein besonderes Highlight verorten: Ein Bronzedolch „südrussischer“ Form aus Wien-Eßling belegt die weitreichenden Kontakte und massiven Bevölkerungsbewegungen um 3000 v. Chr. Das Objekt verdeutlicht, wie eng Mitteleuropa mit weit entfernten Regionen vernetzt war.
Ein bislang einzigartiges Rätsel der Bronzezeit ist die sogenannte „Säule“ von Maissau. Das hohle, zylinderförmige Objekt aus Ton besitzt drei runde Öffnungen und eine mit Kalk überstrichene Oberfläche. Seine Funktion ist bis heute ungeklärt. Möglicherweise diente es als Bestandteil eines Altars oder einer kultischen Anlage.
Besonders selten ist die Tonfigurine eines menschlichen Zwitterwesens (Hermaphrodit) aus Grund, die in die Mittelbronzezeit um 1600 v. Chr. datiert. Da figürliche Darstellungen von Menschen und Tieren in dieser Epoche ausgesprochen selten sind, zählt sie zu den bemerkenswertesten Funden aus dieser Zeit.
Ein weiterer Höhepunkt ist das reich ausgestattete Frauengrab von Oberndorf in der Ebene aus der Zeit um 450 v. Chr. Es dokumentiert den kulturellen Wandel zwischen der Hallstatt- und der frühen Latènezeit. Während die Keramik noch alte Traditionen widerspiegelt, zeigen Schmuck und Trachtausstattung bereits den neuen frühkeltischen Stil. Besonders beeindruckend ist ein kunstvoll durchbrochen gearbeiteter Gürtelhaken mit dem Motiv des geometrisch abstrahierten „Herrn der Tiere“, ein herausragendes Beispiel frühkeltischer Kunst.
Spannende Einblicke in die Zeit der Markomannenkriege gibt ein römischer Legionärshelm aus einer germanischen Siedlung bei Grund. Der ehemals römische Helm wurde wahrscheinlich nachträglich stark verändert: Der Nackenschutz wurde entfernt und entlang des Randes zahlreiche Löcher angebracht. Ob diese Anpassungen der Befestigung eines Innenfutters oder eines stoßdämpfenden Lederwulstes dienten, ist Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Diskussionen.
Zudem wurde auch der Reiter von Gnadendorf neu inszeniert: ein etwa 16-jähriger Angehöriger einer ungarischen Streifschar, der bei einem Reitunfall verunglückt und mit gesamter Ausstattung wie Säbel, Sattel und Zaumzeug bestattet wurde.