Königreiche der Eisenzeit

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MAMUZ Museum Mistelbach MAMUZ Museum Mistelbach

Imposante Einblicke in die Ausstellung. Video: netta mea

Das MAMUZ Museum Mistelbach zeigt bis 27. November 2022 die Sonderausstellung „Königreiche der Eisenzeit“ und begibt sich damit auf die Spuren dieser Epoche. Mit dem Aufkommen des neuen Werkstoffs Eisen kam es im 8. vorchristlichen Jahrhundert zu fundamentalen Umbrüchen in der Gesellschaft, die sich in zahlreichen technischen, wirtschaftlichen und religiösen Neuerungen niederschlugen. An der Spitze der Gesellschaft bildete sich eine durch den Handel reich gewordene Elite, die unter monumentalen Grabhügeln prunkvoll bestattet wurde. Kostbare Grabbeigaben wie kunstvoll dekorierte Geschirrsets zeugen von üppigen Gastmählern an den Königshöfen. Mit einzigartigen archäologischen Objekten und spektakulären Rekonstruktionen vermittelt die Ausstellung unvergessliche Eindrücke von den ersten Königreichen Mitteleuropas.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. begann in Mitteleuropa eine neue Epoche: die Eisenzeit. Eisen wurde zum wichtigsten Werkstoff für Werkzeuge, Schmuck, Gerätschaften und Waffen und lieferte zusammen mit verstärkten Handelsbeziehungen in den Mittelmeerraum die Grundlage für eine neue, stärker strukturierte Gesellschaft. Mit der nach dem berühmten Fundort in Oberösterreich benannten Hallstattkultur entstand eine völlig neue Kultur mit einer deutlich ausgeprägten Hierarchisierung in der Bevölkerung, wie zahlreiche Gräberfunde nachweisen. Eine hochrangige Oberschicht wurde in markanten Großgrabhügeln beigesetzt. Diese enthielten wertvolle Beigaben, darunter Waffen, Schmuckstücke, Importe aus dem Mittelmeerraum sowie große Geschirrsets für Festgelage im Jenseits und Kultgefäße.

Aber was wissen wir heute über die Anführer der frühen Eisenzeit und wie weit reichte ihre Macht? Wir kennen weder die Namen der einzelnen Völker noch die ihrer Herrscher. Einzig archäologische Zeugnisse und die Schriftquellen antiker Hochkulturen im Mittelmeerraum geben Aufschlüsse über ihren Reichtum und Einfluss.

Ausstellungskurator Fritz Preinfalk verrät: „Zahlreiche Funde deuten darauf hin, dass an der Spitze der hallstattzeitlichen Gesellschaft absolute Herrscher standen, deren Gewalt über ein Territorium offenbar vererbbar war. Neben der weltlichen Macht übten sie offenbar auch religiöse Funktionen aus, weshalb die Bezeichnung dieser Personen als ,Kleinkönige‘ oder ,Sakralkönige‘ berechtigt erscheint, zumal diese Begriffe aus zeitgenössischen Schriftquellen benachbarter Völkerschaften bezeugt sind.“

Mit spektakulären Fundstücken, originalgetreuen Rekonstruktionen und Repliken zum Angreifen entführt das MAMUZ auf eine Reise in die frühe Eisenzeit. Eine Vielzahl an nationalen und internationalen Leihgebern, darunter das Naturhistorische Museum in Wien, welches auch als Kooperationspartner der neuen Ausstellung fungiert, das Universalmuseum Joanneum Graz, das Ungarische Nationalmuseum Budapest, das Württembergische Landesmuseum Stuttgart, das Keltenmuseum Hallein, das Oberösterreichische Landesmuseum und die Landessammlungen Niederösterreich, haben zahlreiche Objekte und Fundensembles zur Verfügung gestellt.

Höhepunkte der Ausstellung sind hallstattzeitliche Grabbeigaben wie die bronzene Maske und die Hände sowie der Panzer und Helm aus dem Kröll-Schmid-Kogel bei Kleinklein in der Steiermark, die Aulosbläser-Figur aus Százhalombatta in Ungarn, der Vogelwagen von Glasinac oder die Bronzene Stierfigur aus der Býčí skála- Höhle. Präsentiert werden zudem Nachbildungen des Kultwagens von Strettweg, des Goldreifs von Uttendorf und der Statue eines hallstattzeitlichen Fürsten aus Hirschlanden. Außerdem werden einige neue Fundstücke aus jüngsten Grabungen, wie die Gesichtsurne aus Schöngrabern, erstmals einem breiten Publikum präsentiert. Junge Besucher*innen werden bei Kinderstationen eingeladen, das Leben in der Eisenzeit auf interaktive Weise kennenzulernen.

Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Repräsentationskultur der herrschenden Eliten, die nicht zuletzt durch ihre internationale Vernetzung Mitteleuropa entscheidend geprägt haben. Importfunde aus dem Mittelmeerraum lassen auf einen intensiven Austausch mit den frühen mediterranen Hochkulturen schließen.

„Die Hallstattkultur ist ein enorm faszinierendes Phänomen. Sie umfasste weite Teile Mitteleuropas, von Frankreich bis nach Ungarn. Ihre Nachbarn im Süden waren die Etrusker und die Griechen, mit denen man nicht nur Handel betrieb, sondern auch in einem regen Ideenaustausch verbunden war. Die Ausstellung in Mistelbach ist eine spannende Spurensuche nach den Eliten der frühen Eisenzeit, die für ihre Repräsentationskultur einheimische Traditionen mit neuartigen Ideen aus dem Mittelmeerraum verbanden,“ kündigt Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ, an.

Christoph Mayer, Geschäftsführer des MAMUZ, ergänzt: „Mit der neuen Sonderausstellung ‚Königreiche der Eisenzeit‘ bieten wir erneut einen besonderen Einblick in 40.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Das eigenständige Erleben dieser Zeit ist bei begleitenden Workshops und einem breiten Veranstaltungsangebot möglich, sodass wir auch in diesem Jahr unserem Slogan ‚Entdecken, Staunen, Ausprobieren!‘ treu bleiben. Mit faszinierenden Fundstücken aus ganz Europa ist die Ausstellung 2022 wieder ein ganz besonderes Highlight.“ 

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien und Museumspartner statt.
Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop um 24,90 Euro erhältlich.

Tipp: Sie möchten mehr über die Königreiche der Eisenzeit erfahren? In seinem neuen Podcast präsentiert das MAMUZ spannende und interessante Geschichten rund um 40.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Die Folge „Die Ältere Eisenzeit“ knüpft an die neue Sonderausstellung „Königreiche der Eisenzeit“ an.

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung

Anmeldung zu den Veranstaltungen:

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