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KELTEN

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MAMUZ Museum Mistelbach MAMUZ Museum Mistelbach

KELTEN

Das MAMUZ Museum Mistelbach zeigt ab 16. März 2024 die Sonderausstellung KELTEN. Der Begriff „Kelten“ hat seit jeher die Fantasie der Menschen angeregt. Sie werden ab der Antike bis heute als furchterregende Krieger, als „edle Wilde“, als versierte Handwerker oder als Hüter geheimen Wissens dargestellt. Doch welche Vorstellungen treffen die Wahrheit und was entspringt der Welt der Vermutungen und Legenden? Dank moderner archäologischer Forschung kann ein detailreiches Bild der Lebensumstände der Kelten gezeichnet werden: Erleben Sie wie nie zuvor, wie sich das Leben der Menschen, die vor mehr als 80 Generationen Niederösterreich bevölkerten, gestaltet hat. „KELTEN“ vermittelt anhand von zahlreichen außergewöhnlichen archäologischen Funden ein neues Bild vom Alltag, vom Glauben und vom Schicksal der Menschen zur Keltenzeit und bricht mit stereotypen Vorstellungen und Klischees.

In der späten Eisenzeit von etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt besiedelten die keltischen Stämme Mittel- und Westeuropa. Zahlreiche Hinterlassenschaften zeugen von einer hochentwickelten Kultur. Heute wissen wir, dass es sich bei ihnen um keine einheitliche Bevölkerung handelte, sondern um Gruppen und Stämme mit einer ähnlichen materiellen Kultur und Sprache. Die Kelten errichteten stadtartige Siedlungen, betrieben innovative Landwirtschaft und regen Handel in weiten Teilen Europas. Besonders ihre hochwertige Metallverarbeitung und Schmiedekunst war gefragt. Inspiriert vom Geld der Griechen begannen sie, eigene Münzen aus Gold und Silber zu prägen, die als Zahlungsmittel für den örtlichen sowie für den überregionalen Handel genutzt wurden. Da die Kelten selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben, stammt ein Großteil des Wissens über ihre Kultur aus Schriften römischer und griechischer Autoren. Funde aus archäologischen Grabungen zeigen, wie die „Barbaren“ der späten Eisenzeit, die von ihren Nachbarn als „Kelten“ bezeichnet wurden, wirklich lebten. Auch wenn wir nie wissen werden, wie sie sich selbst nannten, ist es doch möglich, ihre Lebensumstände und Schicksale nachzuzeichnen.

Ausstellungskurator Peter Trebsche ist ausgewiesener Experte für die späte Eisenzeit und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der keltischen Kultur: „Geht man einzig und allein von antiken schriftlichen Aufzeichnungen aus, so entsteht ein einseitiges Bild der keltischen Stämme. Dank der archäologischen Forschungen sind wir heute in der Lage, die Schriftquellen zu ergänzen und teilweise zu korrigieren. Zahlreiche Ausgrabungen informieren uns ausführlich über Lebensbereiche wie zum Beispiel die Siedlungen mit ihren Häusern und Heiligtümern, das hochentwickelte Handwerk oder den weitgespannten Handel, über welche die Schriftquellen schweigen. In den letzten 20 Jahren ist es dank moderner Analysen sogar möglich geworden, aus den Grabbefunden individuelle Lebensgeschichten zu rekonstruieren. So erfahren wir Details aus dem Leben aller Bevölkerungsgruppen, also von Frauen und Männern, Jungen und Alten, und nicht nur über Herrscher und Krieger, die in den Schriftquellen erwähnt werden. Auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes vermittelt die Ausstellung den Besucher:innen ganz neue und vertiefende Einblicke in die Lebensverhältnisse der Keltenzeit.“

Aufbau der Ausstellung und ihre Highlights

Rund 300 eindrucksvolle Originalobjekte geben umfassende Einblicke in die Zeit der Kelten, darunter reich verzierte Schmuckstücke aus Gold, wertvolle Waffen aus Eisen, keltische Münzen, aber auch Alltagsgegenstände wie landwirtschaftliche Werkzeuge und tönernes Trinkgeschirr. Die Ausstellung erstreckt sich auf zwei Stockwerke und wird in neun Themenbereiche gegliedert: Fantasie und Wirklichkeit; Kunst und Mythos; Blütezeit und Krise; Schneller, schärfer, bunter (Handwerk); Vom Acker in die Schüssel (Landwirtschaft); Geld regiert die Welt; 5 Schicksale – Lebensgeschichten aus der Keltenzeit; Rituale und Heiligtümer; Kontakt und Konfrontation.

Karina Grömer, Leiterin der prähistorischen Abteilung des NHM Wien, über die Textilkunst der Eisenzeit. Video: netta mea

Neben den Schätzen aus den Niederösterreichischen Landessammlungen konnten fast zwanzig Leihgeber aus Österreich, Deutschland, der Tschechischen Republik, Ungarn, Slowakei und Slowenien gewonnen werden. Namhafte Museen, wie das Naturhistorische Museum in Wien, das National Museum in Prag, das Slowakische Nationalmuseum, das Historische Museum Budapest und das Historische Museum der Pfalz in Speyer stellen spannende Objekte für die Zeit der Sonderausstellung KELTEN im MAMUZ Museum Mistelbach zur Verfügung.

Ein Highlight der Ausstellung ist etwa der Goldring aus dem Fürstengrab von Rodenbach, der ein Zeugnis filigraner Handwerkskunst ist. Abgebildete Widderköpfe, Masken und Kelche regen die Fantasie an, auch wenn über deren genaue Bedeutung nur Vermutungen angestellt werden können. Kennzeichnend für die Kelten sind fein ausgearbeitete Fibeln, die für das Schließen der Kleidung verwendet wurden. Das MAMUZ zeigt in seiner KELTEN-Ausstellung die Figurenfibel von Ossarn, die mit einem Mischwesen mit Vogelkörper, Raubtierpfoten und runden Augen versehen ist. Eindrucksvoll präsentiert sich der Münzschatz aus Neubau (OÖ), der zeigt, dass Münzen bereits in der späten Eisenzeit als Zahlungsmittel für den regionalen und überregionalen Handel eingesetzt wurden. Erstmals zu sehen sind die Vogelfiguren aus Haselbach, die beispielhaft für die Vielzahl und den Variantenreichtum zoomorpher Darstellungen in der La Tène Zeit stehen. Die genaue Verwendung der Vogelfigürchen ist ungewiss, mögliche Funktionen wären als Amulett, Spielstein oder Gewicht.

Ein besonderes Augenmerk jüngerer Ausgrabungen in Niederösterreich sind die Heiligtümer aus Roseldorf, welches ein zentrales Thema der Ausstellung darstellen. Im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya wurde ein Heiligtum auf Basis dieser Funde im archäologischen Freigelände errichtet. Die Kultstätte zeigt den Götterkult der Kelten und lässt Vermutungen zu, was ihnen heilig war und wie sie mit den Göttern in Verbindung getreten sind.

Veronika Holzer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des NHM Wien, über eisenzeitliche Stabwürfel. Video: netta mea

Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ und NÖ Landesarchäologe, erläutert: „In den letzten Jahren hat sich in Niederösterreich bei der Erforschung der Kelten viel getan. Zum Beispiel brachten die archäologischen Grabungen und Surveys bei Haselbach und Ronthal zahlreiche neue Erkenntnisse und Funde zutage. Als Teil der Niederösterreichischen Landessammlungen werden sie im Zuge der KELTEN-Ausstellung im MAMUZ Museum Mistelbach das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert.“

„Hands on“ & Fotostation

Neben originalen archäologischen Fundstücken präsentiert das MAMUZ Repliken, die einen Museumsbesuch mit allen Sinnen ermöglichen: den Achsnagel aus Unterradlberg, eine keltische Fibel und ein prunkvoller Streitwagen, dessen Vorbild eine Abbildung auf einer Situla war, können außerhalb von Vitrinen genau studiert werden – und das teilweise in Überlebensgröße. Zudem ertönt per Knopfdruck eine Carnyx, eine keltische Kriegstrompete. Wer einen Blick in die eigene Zukunft wagen will, kann sich an einem keltischen Würfelspiel versuchen, das nach Vorbild von Funden aus einer Keltensiedlung in Stradonice gefertigt wurde und im MAMUZ als Weissagungsstation interpretiert wird. Würfelspiele dürften generell ein beliebter Zeitvertreib der Kelten gewesen sein, denn diese wurden in Gräbern als auch in Siedlungen gefunden.

Bei einer Fotostation, die mit Speer, Schild und Schwert ausgestattet ist, können Besucher:innen mit dem eigenen Smartphone ein Erinnerungsfoto an die KELTEN-Ausstellung im MAMUZ Museum Mistelbach schießen.

Fünf Kinderstationen und Rätselspaß

Fünf Videoterminals inmitten der Ausstellung ermöglichen es jungen Besucher:innen, die Geschichte der Kelten auf anschauliche und altersgerechte Weise zu erleben. Kinder erzählen aus ihrem Leben in einer keltischen Gemeinschaft – über ihre Aufgaben, welche Kleidung sie trugen, was auf ihrem Speiseplan stand und wie sie ihre freie Zeit verbracht haben.

Zum Museumsbesuch erhalten Kinder kostenlos ein Rätselheft mit kniffligen Aufgaben. Die Hinweise für die richtigen Lösungen sind in den Terminals versteckt. Es gilt also genau zu schauen und gut hinzuhören. So wird aus dem Museumsbesuch ein abwechslungsreicher Ausflug, bei dem spielerisch Neues entdeckt und Wissen erworben wird.

Zudem bietet der MAMUZ Podcast für alle interessierten Besucher:innen Hörerlebnisse zu verschiedenen Themen aus 40.000 Jahren Menschheitsgeschichte. Der Podcast ist spannend und leicht verständlich aufbereitet und so auch für Kinder und Jugendliche geeignet. Die verschiedenen Folgen knüpfen an die laufenden Ausstellungen im MAMUZ Museum Mistelbach und Schloss Asparn/Zaya an.

Christoph Mayer, Geschäftsführer des MAMUZ, fasst zusammen: „Die Kelten faszinieren uns alle – man denke nur an den Hype, den bestimmte Serien auf Streaming-Plattformen in den letzten Monaten und Jahren mit sich gebracht haben. Bis heute ranken sich viele Geschichten um die keltische Kultur, doch welche Erzählungen sind wahr und welche können dem Reich der Mythen zugeordnet werden? Wir begeben uns 2023 mit der Ausstellung KELTEN auf Spurensuche, hinterfragen Stereotype und versuchen die Lebenswelt in Mitteleuropa in der Zeit von 450 vor Christus bis Christi Geburt zu rekonstruieren. Dabei werden rund 300 herausragende nationale und internationale Funde und Objekte zur Schau gestellt, die in den Alltag, die Kunst und die Rituale der keltischen Kultur eintauchen lassen.“

Passend zur Ausstellung wird das Werk „Die Kelten im Weinviertel. Von Kriegern, Heiligtümern und Druiden“ von Ernst Lauermann empfohlen, das im Museumsshop erhältlich ist.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien und Museumspartner statt.

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