Historischer Handwerkskurs: Wachsausschmelzverfahren (ausgebucht)

MAMUZ Schloss Asparn/Zaya MAMUZ Schloss Asparn/Zaya

Dieser Kurstermin ist ausgebucht. Sollten Sie Interesse an der Teilnahme bei Zustandekommen eines Zusatztermins haben, schicken Sie uns bitte eine E-Mail an

Kursziel: Die einzelnen Teilnehmer*innen sollen den Ablauf des historischen Wachsausschmelzverfahrens kennenlernen, damit sie mindestens zwei Kleinobjekte (ihrer Wahl) selbst gießen können. Dies umfasst die einzelnen Schritte von der Herstellung eines Wachsmodells bis zum Schmelzen des Metalls (Kupfer, Messing oder Bronze) und den Guss der Objekte nach historischen Methoden.

Kursinhalt: Erster Tag: Einführung in das Wachsausschmelzverfahren: Der theoretische und praktische Hintergrund des Wachsausschmelzverfahrens wird mit besonderer Hinsicht auf die historische Herstellungstechnologie vermittelt. Ein Wachsmodell der erwünschten Objekte (z. B. bronze-/eisenzeitliche Kleinplastik, wie Radamulett bzw. Tierfigürchen oder römisch-kaiserzeitliche axt-, halbmond-, phallus- oder blattförmiger Anhänger) wird gestaltet und anschließend werden die geschlossenen Gussformen erstellt. Falls die Teilnehmer*nnen ihre eigenen Lieblingsobjekt(e) aus einer bestimmten Epoche nachgießen wollen, wird ein Foto der betreffenden Stück gebraucht. Ansonsten stellt der Kursleiter Vorbilder aus mehreren historischen Perioden an Ort und Stelle zur Verfügung. Aufbau eines offenen Herdofens.

Zweiter Tag: Inbetriebnahme des Herdofens: Schmelzen des gewünschten Metalls (Kupfer, Messing oder Bronze) in einem Gusstiegel aus Ton. Gleichzeitig werden die vorbereiteten Gussformen getrocknet bzw. gebrannt. Gießen des gewünschten Objektes. Die Nachbearbeitung der Rohgüsse ist nicht Teil des Kurses.

Historischer Hintergrund: Die grundliegende Herstellungstechnik zur Gestaltung der Grundform verschiedener plastischer Objekte, das Wachsausschmelzverfahren, beruht auf einfachen Prinzipen des Kunsthandwerks. Ein Modell des zu gießenden Objektes wird in (Bienen-)Wachs geformt bzw. mit einem Eingusstrichter versehen und anschließend in gemagerten Ton eingebettet. Somit erhält man eine geschlossene Gussform, die zuerst getrocknet, dann gebrannt wird, wobei das Wachs vollständig ausschmilzt. Das geschmolzene Metall wird in den so entstandenen Hohlraum gegossen und gibt so nach dem Erkalten die Oberflächengestaltung des Wachsmodells wieder. Um den Rohguss zu entnehmen wird die Gussform zerstört, weshalb dieses Verfahren auch als „Guss in verlorener Form“ bezeichnet wird.

Diese Herstellungstechnik kommt aus dem Nahen Osten und reicht bis in das 4. Jahrtausend v. u. Z. zurück. Die ersten durch Wachausschmelzverfahren geschaffenen Objekte stellen Zylindersiegel, Kleinplastik bzw. mit Tierfiguren verzierte Kleidernadeln aus Kupfer und Arsenbronze dar. In Europa wird diese Technik neben dem bekannten Schalenguss („Guss in mehrteiligen Formen“) erst in der Spätbronzezeit (2.– 1. Jahrtausend v. u. Z.) allgemein angewandt[1]. Da sich reich verzierte plastische Gegenstände durch dieses Gussverfahren einfach und sogar in Serienproduktion herstellen lassen, wird es ab der Eisenzeit eine der üblichsten metallverarbeitenden Techniken. Eine reiche Vielfalt an Kleinobjekten – wie Miniaturfiguren, Kleidungsbestandteile und Schmuckstücke (z. B. Fibeln/Gewandnadeln, Fingerringe, Anhänger etc ) – aus Bunt- und Edelmetallen zeugt von der weit verbreiteten Anwendung des Wachsausschmelzverfahrens. Schnell entwickelt sich die Herstellungstechnologie weiter und das Verfahren wird in neuen Bereichen eingesetzt. Demzufolge entstehen gegossene Metallgefäße und lebensgroße (bzw. sogar überlebensgroße) Bronzestatuen zuerst in der griechischen und anschließend in der römischen “Kunstindustrie“[2]. In den folgenden historischen Perioden behält das Wachsausschmelzverfahren weiterhin seine wichtige Rolle unter den grundlegenden Feinschmiedetechniken.

Teilnahme: ab 18 Jahren

Kursleiter: David Zs. Schwarcz

Kurszeiten: 10-17 Uhr

Kurskosten: 120 Euro

Materialkosten: Bienenwachs Tafeln – ca. 5-8 Euro pro Person

Ton und Magerungsmittel (Heu, Schamott, Sand)

Kupfer- und Messingbleche bzw. Zinn (je nach Bedarf wäre auch Silber möglich, dennoch erhöht das Material wesentlich die Materialkosten). Der Preis hängt von der Teilnehmer*innenanzahl ab – insg. max. ca. 50 Euro



[1] Die frühesten archäologischen Nachweise für die Anwendung des Verfahrens (Tongussformen zur Serienproduktion einfacher Ringe) im Gebiet Österreichs stammen aus den urnenfelderzeitlichen Siedlungen in Oberleiserberg und Thunau am Kamp (siehe: M. Lochner, Tongussformen für Ringe aus urnenfelderzeitlichen Siedlungen Niederösterreichs. Archaeologia Austriaca 88, 2004, 103-120).

[2] Im Nahen Osten wurden Großbronzen bereits im 2. Jahrtausend v. u. Z. durch Wachsausschmelzverfahren erzeugt.

 

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