Bau einer frühmittelalterlichen Kirche

25. Juni, 18 Uhr
Online-Gespräch zum Bau der Kirche

Das archäologische Freigelände im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya wird in der heurigen Saison um ein Architekturmodell reicher. Mitte Mai startete der Neubau einer Kirche im frühmittelalterlichen Stil. Als Vorbild dient der archäologische Befund einer rund tausendeinhundert Jahre alten Kirche aus Pohansko in Mähren, die im Zeitraum von 2008 und 2012 bei einer Ausgrabung eines tschechischen Archäolog*innenteams freigelegt wurde. Die Fertigstellung des Kirchenbaus im MAMUZ ist für Oktober dieses Jahres geplant.

„Mit dem Bauprojekt gelingt es uns, den historischen Bogen im archäologischen Freigelände von der Eisenzeit weiter ins Frühmittelalter zu spannen. Dadurch können wir unseren Besucher*innen bald ein noch größeres Kulturerlebnis bieten. Die Kirche soll das erste Gebäude eines frühmittelalterlichen Siedlungskomplexes im Freigelände sein“, freut sich MAMUZ-Geschäftsführer Christoph Mayer.

Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ, erläutert: „Die Kirche des 9. Jahrhunderts steht stellvertretend für die politischen und religiösen Umwälzungen des Frühmittelalters, die das moderne Europa maßgeblich geformt haben. Im archäologischen Freigelände ist nun, ebenso wie in der Dauerausstellung, die Kulturgeschichte von der Steinzeit bis zum Mittelalter erlebbar.“

Die in Tschechien ausgegrabene Kirche wurde laut dem archäologischen Befund im Laufe des 9. Jahrhunderts n. Chr. errichtet und war bis ins 10. Jahrhundert als solche in Verwendung. Die Konstruktion aus tragenden Holzpfosten und Steinmauern sollte wohl den Eindruck eines reinen Steinbaus erwecken. Die Pfosten trugen eine Rotunde mit einem Durchmesser von 6 Metern, die möglicherweise mit halbrunden Fenstern versehen war.  In der hufeisenförmigen Apsis im Nordosten war vermutlich ein Holzaltar aufgestellt. Die Wände waren mit Lehm verputzt und wohl wie damals üblich mit farbiger Wandmalerei verziert.

"Das aktuelle Projekt zur Rekonstruktion einer frühmittelalterlichen Kirche gibt uns die Möglichkeit, im Rahmen der Aufbauarbeiten archäologische Experimente und wissenschaftliche Studien zur Handwerkskultur dieser ereignisreichen Zeit durchzuführen. Für diesen Zweck haben wir frühmittelalterliche Holzbearbeitungswerkzeuge nach archäologischen Vorbildern aus dem Boden nachgeschmiedet,“ erklärt Experimentalarchäologe Wolfgang Lobisser, der den Kirchenbau mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologe für das MAMUZ umsetzt.

Parallel zur Dauerausstellung im Schloss Asparn/Zaya, die mit bedeutenden archäologischen Fundstücken aus der Niederösterreichischen Landessammlung die Entwicklung der Menschen von der Steinzeit bis ins Mittelalter veranschaulicht, zeigt das archäologische Freigelände mit Nachbauten historischer Wohn- und Wirtschaftsgebäude die Lebenswelten unserer Vorfahren in Mitteleuropa. Der Rundgang startet bei einem Jagdlager mit Tipi, Wildfang und „Cache“ der altsteinzeitlichen Jäger- und Sammlerkultur und endete bislang im keltischen Handwerksviertel bei einer Eisenschmiede, Glasmacherhütte und Töpferei, die für Vermittlungsangebote regelmäßig in Betrieb genommen werden. Die Gebäuderekonstruktionen basieren allesamt auf Befunden archäologischer Grabungen. Die neue Kirche soll an die eisenzeitlichen Häuser anschließen und den Auftakt für ein Mittelalter-Ensemble im Freigelände bilden.

Die Kirche entsteht im Rahmen des Interreg-Projektes ATCZ59 I-CULT „Internationale Kulturplattform“. Die Finanzierung erfolgt aus dem Programm INTERREG V-A Österreich-Tschechische Republik, gefördert vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE).

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